Erfahrungsbericht aus Malta

Vor meiner Ankunft in Malta wusste ich wenig über das Land. Ich hatte gehört, dass es dort beige sei, im Sommer sehr heiß werde und kannte natürlich die alte Stadt Valletta. Was ich aber sicher wusste: Ich wollte raus aus meiner Stadt Berlin. Dass es dann ausgerechnet Malta wurde, war eher Zufall. Im Nachhinein könnte ich nicht glücklicher darüber sein, dass genau diese kleine Insel mitten im Mittelmeer mein Ziel wurde.

Die drei Monate, die ich hier verbracht habe, haben mir unglaublich viel gezeigt und gegeben. Da ich bereits vor vielen Jahren einen Erasmus-Aufenthalt während meines ersten Studiums gemacht hatte, hatte ich diesmal wenig Interesse an vielen neuen Bekanntschaften oder den typischen Erasmus-Aktivitäten wie Bar-Abenden oder Gruppentreffen. Das hatte ich schon erlebt und wollte es diesmal anders angehen.

Im Mittelpunkt stand zunächst meine Praktikumsstelle: eine ergotherapeutische Praxis im Bereich Pädiatrie, die auf sensorische Integration spezialisiert ist. Die Klinik beschäftigt mehrere junge, internationale Ergotherapeutinnen, was das Team sehr dynamisch macht. Zwar arbeitete ich hauptsächlich mit meiner festen Anleitung zusammen, durfte aber auch bei anderen Therapeutinnen hospitieren und deren Arbeitsweisen sowie Klientinnen kennenlernen. Besonders im Vergleich zu meiner vorherigen Erfahrung in einer ähnlichen Praxis in Berlin war das sehr spannend. Ich erkannte Gemeinsamkeiten und Unterschiede und lernte Dinge zu schätzen, die ich zuvor kaum als besonders wahrgenommen hatte – zum Beispiel Fenster im Therapieraum.

Meine Klientinnen und Klienten waren überwiegend Kinder im Autismus-Spektrum oder mit ADHS im Alter zwischen drei und zehn Jahren. Es wurde also definitiv nicht langweilig. Außerdem konnte ich zwei Gruppen mitgestalten, in denen es um die Entwicklung von Selbstregulationsstrategien bei sensorischer Überreizung ging.

Falls jemand darüber nachdenkt, nach Malta zu gehen, kann ich nur empfehlen, sich frühzeitig mit der Organisation des Alltags zu beschäftigen. Besonders hilfreich ist es, sich die Tallinja-App herunterzuladen und bei der Wohnungssuche darauf zu achten, dass eine gute Busanbindung zur Arbeitsstelle besteht. Obwohl die Insel klein ist, können Fahrten mit mehreren Umstiegen schnell anstrengend werden. Die gute Nachricht: Der öffentliche Nahverkehr ist kostenlos. Es lohnt sich, bereits einige Wochen vor Ankunft eine personalisierte Karte zu bestellen, da die Zustellung etwa vier Wochen dauern kann.

Neben der Arbeit habe ich mir so viel Zeit für mich selbst genommen wie schon lange nicht mehr. Ich wohnte zum ersten Mal alleine und nicht in einer WG und lernte dabei viel darüber, wie ich meinen Alltag gestalten möchte. Malta macht es einem leicht, sich selbst besser kennenzulernen, da das Meer, Berge und beeindruckende Städte mit vielen kulturellen Möglichkeiten direkt vor der Haustür liegen. Man kann praktisch überall mit dem Bus hinkommen und trotz des vielen Verkehrs vieles zu Fuß erkunden. Genau das habe ich getan – und es hat mir sehr gutgetan.

Zum Glück hatte ich flexible Arbeitszeiten, meist fünf Tage die Woche, teilweise auch samstags, zwischen 10 und 19 Uhr an zwei verschiedenen Standorten. Dadurch konnte ich auch unter der Woche immer wieder etwas unternehmen. So habe ich beispielsweise ein kulturelles Zentrum und Kino in Valletta entdeckt, an einer Demonstration teilgenommen und mich intensiver mit der Geschichte und Politik der Insel beschäftigt.

Natürlich habe ich auch viele lokale Spezialitäten probiert, darunter Ftira, Pastizzi, Bigilla und Cannoli. Ich war am Strand, auch wenn das Wetter oft schlechter war als erwartet. Aber selbst stürmische Tage mit hohen Wellen haben ihren Reiz. Neben all diesen Erlebnissen konnte ich mein Wissen im Bereich sensorische Integration deutlich vertiefen und mich intensiv mit Kolleginnen vor Ort sowie mit Ergotherapeutinnen aus Berlin austauschen.

Ein besonderes Highlight für mich war die maltesische Sprache. Sie ist die einzige semitische Sprache, die mit dem lateinischen Alphabet geschrieben wird, und klingt wie eine Mischung aus Arabisch, Englisch und Italienisch. Den Versuch, sie in drei Monaten zu lernen, habe ich zwar schnell aufgegeben, aber ich wurde nie müde, ihrem Klang zuzuhören.

Damit: Grazzi ħafna fürs Lesen und alles Liebe.

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