Lilli in Toulouse (Ausbildung zur Maßschneiderin)

01/2021 - 01/2021 Erasmus+ Praktikum in Frankreich

Während meiner Ausbildung zur Herrenmaßschneiderin hat eine meiner Berufsschullehrerinnen von ihrem Erasmus+ Praktikum erzählt. Und da ich bereits vorher schon geplant hatte, nach meiner Ausbildung nach Frankreich zu gehen und Erfahrungen an verschiedenen Theatern zu sammeln, war ich sofort interessiert.  

 

Meine Suche

Durch die Pandemie hat sich die Suche nach einem Praktikumsplatz sehr erschwert. Von Vividus International wurde mir die Unterstützung bereits zugesagt. Ich wollte noch nicht aufgegeben und habe weiter nach einer Stelle gesucht. Schon bevor ich eine Stelle gefunden hatte, bin ich zu meinem Freund nach Toulouse gezogen und war sehr glücklich, als ich dort einen Praktikumsplatz am Théâtre du Capitole bekam.

 

 

 

Mein Praktikum am Theater

Vor Praktikumsbeginn konnte ich mich schon persönlich bei der Leiterin der Kostümabteilung vorstellen und besprechen, was ich während der Ausbildung gelernt habe und welche Aufgaben ich in der Schneiderei übernehmen könnte. Am Ende habe ich noch eine kleine Führung in den Werkstätten der Kostümabteilung bekommen.

An meinem ersten Praktikumstag wurde ich von allen Kollegen sehr freundlich aufgenommen. Ich konnte direkt anfangen mit den anderen an den Kostümen zu arbeiten. Ich hatte mich schon darauf gefreut, das, was ich in Deutschland gelernt hatte, anwenden zu können. Aber in Toulouse wurde ganz anders gearbeitet und ich hatte ein bisschen das Gefühl wieder am Anfang einer Ausbildung zu sein. Ich konnte aber immer bei der Chefin und anderen Mitarbeitern nachfragen.

In der zweiten Woche hatte ich eine Aufgabe, bei der ich eigenständig arbeiten konnte. Leider wurde uns am Ende der Woche mitgeteilt, dass die Aufführungen nicht stattfinden werden können. Da die Spielpläne am Theater 3 Jahre im Voraus geplant werden, konnte die Premiere nicht einfach verschoben werden. Wir waren alle sehr traurig, dass die Kostüme nicht auf der Bühne zu sehen sein werden.

Zum Glück durfte ich aber noch bis zum besprochenen Praktikumsende bleiben. In den folgenden Wochen haben wir weiter an den Kostümen gearbeitet, obwohl diese in den Fundus kamen und es unwahrscheinlich ist, dass das Stück noch zu einem späteren Zeitpunkt aufgeführt wird. Eventuell werden aber einzelne Kleidungsstücke für andere Produktionen verwendet.

Meine Kollegen waren sehr enttäuscht, weil sie viel Arbeit und Mühe in die Kostüme gesteckt hatten und nicht mehr auf das gleiche Ziel hinarbeiten konnten. Die Atmosphäre war auch für mich ungewohnt, da ich es aus meiner Ausbildung kannte, dass in Theaterschneidereien immer Zeitdruck herrscht. Trotzdem habe ich noch etwas Positives an der Situation gesehen, denn so konnten wir wirklich bis aufs letzte Detail sauber arbeiten und nicht in erster Linie schnell. Der Monat ist sehr schnell vergangen und ich wäre gerne noch länger geblieben. Ich habe sowohl technisch viel gelernt als auch sprachliche Fortschritte gemacht.

 

 

Freizeit mit Ausgangssperre

In meiner Freizeit waren die Möglichkeiten etwas in der Stadt zu unternehmen sehr beschränkt. Ab 18:00 Uhr galt die Ausgangssperre. Deshalb bin ich oft nach der Arbeit an der Garonne spazieren gegangen. Bei gutem Wetter kann man von dort aus in der Ferne die Pyrenäen sehen. Vor ein paar Jahren habe ich ein FSJ in der Nähe gemacht und kenne die Stadt schon. Es war schade, dass in der Zeit von meinem Erasmus+ Praktikum nicht das gleiche Freizeitangebot bestand. Vor allem weil hier viele Studenten wohnen und die Leute generell sehr freundlich sind.

 

Mein Fazit

Trotz allem bin ich sehr froh, dass ich überhaupt ein Praktikum machen konnte und auch in der kurzen Zeit habe ich gute Erfahrungen gemacht und sehr viel gelernt.

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