Vannessa in Oulu (Auszubildende Chemielaboratorin)

08/2020 Erasmus+ Praktikum in Finnland

Die Vorstellung eine Zeit lang im Ausland zu leben und zu arbeiten fand ich schon zu Schulzeiten sehr aufregend und schön. Im zweiten Jahr meiner Chemielaboranten-Ausbildung entschied ich mich dann dazu, dass ich einen Teil meiner Ausbildung gern im Ausland absolvieren möchte und bewarb mich über Vividus International für ein Auslandspraktikum in den nächsten Sommerferien. Zunächst hatte ich noch keine feste Idee wo die Reise hingehen soll. Es gibt so viele Möglichkeiten und jedes Land hat seinen eigenen Charme. Nach einer Beratung durch Vividus International habe ich mich dann für ein Auslandspraktikum in der finnischen Stadt Oulu entschieden.

 

 

 

Meine Unterkunft

Meine Unterkunft habe ich durch Vividus International gefunden. Es war ein Gasthaus, sehr schön und geräumig, mit Platz für drei Mieter. Anfangs habe ich noch allein dort gewohnt, weswegen es sehr ruhig war. Das hat sich aber nach einer Woche geändert, als ein zweiter Mieter dazu kam. Wir haben uns super verstanden und das Zusammenleben in dem Gasthaus war sehr angenehm. In dem Gasthaus gab es alles was man für den täglichen Gebrauch so benötigt, sodass man sich nur die Verpflegung selbst kaufen mussten. Im Keller gab es auch eine Sauna, wie in Finnland sehr üblich. Die Unterkunft war sehr gut angebunden, nach circa 10 Minuten war ich schon im Stadtzentrum von Oulu. Außerdem gab es auf dem Hof Fahrräder, die man sich kostenlos ausleihen durfte.

 

 

Mein Praktikum

Mein Praktikumsplatz war an der Universität in Oulu. Dort war ich in der Biochemie und Molekularen Medizin tätig. An meinem ersten Arbeitstag wurde mir erst einmal alles gezeigt und die Kollegen wurden mir vorgestellt. Laborarbeit stand an diesem Tag nicht so viel an, aber ich durfte schon Puffer ansetzen und habe zum Beispiel Pipettenboxen aufgefüllt, also allgemeine Laborarbeiten.

Da ich nur vier Wochen geblieben bin, habe ich kein eigenes Projekt bekommen, aber ich habe viel bei den Kollegen zugeschaut und durfte diese Tätigkeiten dann selbst ausüben und übernehmen, zum Beispiel neue Agar ansetzen und Stocks von Hefepilzen erneuern, indem ich sie auf frischen Agar überimpft habe. Nachdem ich über meine bisherigen Tätigkeiten und praktischen Erfahrungen berichtet habe, durfte ich zunehmend selbstständig Aufgaben erfüllen, so durfte ich auch PCR's und Gelelektrophoresen durchführen, die PCR-Produkte anschließend aufreinigen und für die Sequenzierung vorbereiten.

Meine Kollegen waren alle sehr freundlich und hilfsbereit. Vor Allem habe ich mit Doktoranden zusammengearbeitet, die mir auch viel zu den Theorien der Methoden und der einzelnen Forschungsversuche erzählen konnten. Ich konnte immer Fragen stellen und durfte auch Wünsche äußern, welche Tätigkeiten ich gern erlernen würde. Diesen Wünschen wurde auch so gut es ging nachgegangen und ich konnte zum ersten Mal in meinem Leben E.Coli Transformationen durchführen und habe auch einige Einblicke in die Proteinbiochemie bekommen dürfen.

Meine Aufgaben haben sich insoweit von denen in Deutschland unterschieden, dass ich auch mehr kleinere Servicetätigkeiten übernommen habe, für die es in Deutschland noch einmal extra Personal gibt, und ich dadurch auch Dinge gelernt habe, die ich sonst nicht in der Ausbildung gelernt hätte. Zudem erschienen mir die Regelungen zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) und dem allgemeinen Laborverhalten etwas anders als in Berlin. Eigentlich bin ich an striktere Verhaltensregeln gewöhnt, was aber wahrscheinlich daran liegt, dass ich in Oulu nicht mit infektiösem Material gearbeitet habe und deswegen nicht so strenge Vorkehrungen getroffen werden mussten.

Die Arbeitsmethoden unterschieden sich allerdings kaum, von denen, die ich bereits erlernt hatte, sodass ich mein Vorwissen gut einsetzten konnte. Wenn ich eine neue Aufgabe bekommen habe, wurde ich gefragt, ob ich das zuvor schon einmal gemacht habe und wenn ja, wie ich es gelernt habe. Meist durfte ich dann komplett selbstständig arbeiten. Was ich auch ganz schön finde ist, dass ich dadurch ganz abwechslungsreiche Praktikumstage hatte.

Kommuniziert habe ich mit den Kollegen auf der Laborsprache Englisch, da das Team sehr international war, wie es an Universitäten oft der Fall ist. So habe ich mit Menschen aus Bangladesch, Finnland und Deutschland zusammengearbeitet. Die Verständigung am Arbeitsplatz verlief einfacher als gedacht, da das deutsche Fachvokabular dem Englischen sehr ähnlich ist und oft nur die Aussprache ein wenig angepasst werden muss.

 

 

 

 

 

 

Aktiviäten

Oulu ist die nördlichste Großstadt der Europäischen Union. Die Sonne scheint hier in den Sommermonaten besonders lang. Während meiner ersten Tagen, gab es keine Nacht wie wir sie in Deutschland kennen, denn es war auch nachts noch relativ hell draußen. Das bedeutet, dass man auch spät abends noch vieles entdecken konnte, perfekt vor allem für Naturliebhaber, wie mich.

Zudem liegt Oulu direkt an der Westküste von Finnland am Bottnischen Meerbusen, sodass man abends auch sehr schöne und lange Sonnenuntergänge beobachten konnte. Was ich sehr faszinierend an der Stadt finde, ist dass es viele kleine Inseln im Meer gibt, die über Brücken miteinander verbunden sind, die man zu Fuß, mit dem Fahrrad und manchmal auch mit dem Auto überqueren kann.

Die Stadt ist gerade für Fahrradfahrer sehr zu empfehlen. Es gibt zu fast jeder Straße einen Fahrradweg, sodass man alles mit dem Fahrrad erreichen kann. Ich bin zu vielen wunderschönen Orten, auch außerhalb der Stadt, mit dem Fahrrad gefahren.

In meiner Freizeit bin ich generell viel draußen unterwegs gewesen, auch zum Wandern. Außerdem habe ich auch gern ein paar Touristenattraktionen besucht, bei denen man etwas über das Land und die Geschichte erfahren konnte. Am Schönsten fand ich das Freilichtmuseum Turkansaari, das auf einer kleinen Insel im Fluss Oulujoki liegt und viele kleine mittelalterliche Hütten und Waldhütten aus der Frühen Neuzeit zeigt.

Am meisten genossen habe ich, dass es überall in Oulu sehr entspannt, ruhig und sauber ist, also kein Müll auf den Straßen oder in den Sträuchern. Die Menschen sind auch alle sehr hilfsbereit und freundlich. Zum Beispiel bin ich an einem Wochenende mit dem Fahrrad zu der Stromschnelle in Kiiminki gefahren und hatte auf dem Weg dahin, circa einen Kilometer vor dem Ziel, eine Fahrradpanne, aber ich habe sofort Hilfe gefunden und schon war das Fahrrad wieder wie neu.

Da ich kein finnisch spreche, war die Verständigung in dem Fall ein bisschen schwieriger, aber ich habe gemerkt, dass man sich im Notfall auch noch mit Gestik unterhalten kann. Wenn man einen Abend unter Leuten verbringen möchte gibt es auch zahlreiche Möglichkeiten. Es lohnt sich besonders bei der Hafengegend von Oulu vorbeizuschauen, dort finden oft Straßenfeste oder Jahrmärkte statt, die immer einen Besuch wert sind. Allein in dem Monat August 2020 war ich auf drei verschiedenen Festen und wurde nie enttäuscht.

 

Mein Fazit

Durch Vividus International habe ich Kontakte zu anderen Biologielaboranten Praktikanten in Oulu knüpfen können, sodass ich mich nie einsam fühlen musste. Das Praktikum und der Auslandsaufenthalt waren beide wunderschön und ich habe die Zeit sehr genossen. Ich habe viele wertvolle positive Erfahrungen sammeln können und mich selbst auch weiter entwickeln können. Ich hab viele mikrobiologische und molekularbiologische Arbeitstechniken praktisch erlernt und gleichzeitig neue Sprachkenntnisse erworben. Des Weiteren habe ich gelernt meine Aufgaben selbst zu organisieren, meine Arbeitszeit sinnvoll einzuteilen und Eigeninitiative zu ergreifen. Durch die Erasmus+ Erfahrung bin ich selbstständiger, selbstbewusster und offener geworden, im beruflichen, wie auch im sozialen Umfeld. Deswegen kann ich es nur Jedem weiterempfehlen, selbst ein Auslandspraktikum zu machen, ich selbst würde es auch wieder tun.

 

 

tel

email

tel

email