Zeliha in Istanbul (Absolventin Kauffrau für Büromanagement)

04/2018 - 04/2018 Erasmus+ Praktikum in der Türkei

Die Vorbereitung

Noch während meiner Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement habe ich den Entschluss gefasst ein Praktikum im Ausland zu absolvieren. Es stellten sich zunächst folgende Fragen: Wo? Was? Wann? Vorerst musste ich den Zeitraum für das Praktikum planen, was schwer einschätzbar gewesen ist, da ich mich im letzten Ausbildungsjahr befand und eine Weiterbeschäftigung seitens meines Arbeitgebers angestrebt war.

Nach anschließender Übernahme suchte ich zügig das Gespräch mit meinem Arbeitgeber, der mich in diesem Projekt unterstützte und der Aufenthaltsdauer von vier Wochen zugestimmt hat. Mit der Planung habe ich im Oktober 2017 begonnen und das Praktikum im April 2018 absolviert.

Wieso Türkei/Istanbul?

Obwohl ich gebürtige Türkin bin, war es schon lange ein Wunsch von mir, mich alleine für länger in der Türkei aufzuhalten, um die eigene Kultur besser kennenzulernen und gleichzeitig Einblicke in die Arbeitswelt, der orientalischen Tradition zu bekommen. Mein Interesse mit einem Praktikum zu verbinden war die sinnvollste Möglichkeit in die türkische Gesellschaft und deren Alltag eingegliedert zu sein. Für die Stadt Istanbul habe ich mich bewusst entschieden, weil sie als Metropole am Bosporus, gelegen an den zwei Kontinenten Europas und Asiens, mich sehr reizte, dass Großstadtleben näher kennenzulernen. Meine Zeit in Istanbul war spannend und hat meine Erwartungen mehr als übertroffen.

 

Der nächste Schritt …

war nun die Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz. Wenn ich mich an die Suche erinnere, bekomme ich Bauchschmerzen. Das war ein großer – und damit meine ich einen großen – Energieaufwand. Der sich, wenn er mir auch viele Sorgen bereitete, auszahlte. Da ich meine Ausbildung im öffentlichen Dienst an einer Technischen Hochschule absolviert habe, beschloss ich mich bei öf-fentlichen Einrichtungen zu bewerben und kontaktierte mehrere Einrichtungen per Email. Es war wichtig für mich, dass mir das Praktikum auch einen beruflichen Nutzen bringt, daher die Entscheidung, dass eine Hochschule das richtige für mich wäre. Als Hauptinformationsquelle ist unsere öffentlich zugängliche Uniwebsite sehr hilfreich gewesen. Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit hat unsere Universität Partnerschaften mit anderen Hochschulen im Ausland, erfreuli-cherweise auch mit der Türkei. Daneben habe ich auch Google als Quelle genutzt, um weitere Universitäten in Istanbul herauszusuchen. Nach vergeblicher Praktikumssuche und vergangen Monaten voller Sorge, erhielt ich im Februar 2018 eine Zusage von der Yildiz Technical University in Istanbul.

Mit der Wohnungssuche …

begann ich nach Zusage des Praktikumsplatzes über das Internet. Ich empfand die Suche als sehr schwierig und eine private Wohnung wollte ich aufgrund der derzeitigen politischen Situation in der Türkei nicht anmieten. Erfreulicherweise bat mir die Yildiz Technical University an, dass sie mir eine Unterkunft auf dem Campus organisieren könnten, sog. Gasthäuser. Ich entschied mich in diesem Fall dagegen, weil ich persönlich lieber zentral unterkommen wollte, um auch das „Stadtleben“ hautnah zu erleben. Der Campus liegt außerhalb der Innenstadt, demnach hätte ich für abendliche Freizeitaktivitäten lange Fahrtwege gehabt und durch eine zentrale Unterkunft konnte ich diesem entgehen. Man sollte die Fahrtzeiten in Istanbul immer mitbedenken, weil ein Verkehrschaos herrscht. Ich habe das Glück, dass ein Familienmitglied in Istanbul lebt, so dass ich die ersten Tage in Istanbul bei meiner Cousine unterkommen bin. Vor Ort bin ich tätig gewesen und habe ein sehr zentral liegendes, kleines aber sehr zuvorkommendes Hotel gebucht. Als Kritikpunkt muss ich jedoch sagen, dass ich in meiner „Wohnung“ keine Möglichkeit hatte meine Schmutzwäsche kostenfrei reinigen zu lassen. Ich hatte angenommen, dass ich hierfür die Zeit finde ein Waschsalon aufzu-suchen, „Pustekuchen“. Man ist den ganzen Tag unterwegs und das Wochenende war mir zu kostbar dafür gewesen. Das tägliche Auswärtsessen kann ich als weiteren Kritikpunkt ansehen. Im Ho-tel konnte ich kostenfrei Frühstücken und meine Mittagsmahlzeit wurde täglich von meinen Kolle-gInnen aus der Yildiz Technical University bezahlt. Jedoch musste ich abends und/oder für zwischendurch mein Essen privat bezahlen. Essen in der Türkei ist sehr günstig, aber ich hätte gerne die Möglichkeit gehabt mir Essen selber zuzubereiten. Fazit: Ich war trotz der zwei Kritikpunkte von meiner Unterkunft sehr zufrieden gewesen. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass man für eine Hotelbuchung tiefer in die Tasche greifen muss.

 

Erste Tage vor Ort

Gelandet bin ich in Istanbul, ein Tag vor Praktikumsbeginn am Atatürk Flughafen. Ich wurde von einer Freundin in Istanbul abgeholt, die mich mit Ihrem privaten PKW bei meiner Cousine abgelassen hat. Man hat auch die Möglichkeit mit ÖPNV vom Flughafen in die Innenstadt zu fahren. Istanbul hat meiner Meinung nach ein sehr zu empfehlendes ÖPNV-Netz. Dafür, dass sich Istanbul auf zwei Kontinente streckt, kommt man überall – auch ohne PKW – hin. Vom Flughafen direkt nimmt man entweder die Metro (sog. Bahnen) – meine Empfehlung – oder vor dem Flughafen stehen Busse zur Verfügung. Mit dem Bus würde die Fahrt jedoch länger Zeit in Anspruch nehmen. Die Bezahlung mit dem Bus ist in bar, jedoch erfolgt die Bezahlung der restlichen ÖPNV mit sog. „Istanbul Cards“ (Prepaidkarten). Diese kann man für 6 Türkische Lira an Metrostationen erwerben und sind unbefristet gültig. Die Karten werden mit Guthaben am Automaten aufgeladen – zu finden an jeder Metrostation - oder einige Supermärkte, Kiosks bieten die Aufladung ebenfalls an. Die Aufladung wird durch eine Beschilderung kenntlich gemacht. Des Weiteren gibt es die sog. Metrobusse (Schnellbusse), die eine gesonderte Fahrtstrecke auf dem Straßenverkehr besitzen und somit die Fahrtzeit erheblich kürzer ausfällt als mit den „normalen“ Bussen und den sog. „Dolmus“ (Sammelbus). Dolmus kann ich nur empfehlen, wenn die Fahrtstrecke sehr kurz ist, ansonsten kann man mit langen Fahrtzeiten rechnen. Damit ich auch in der Türkei mobil erreichbar sein konnte, habe ich mir vor meiner Anreise eine SIM-Karte angeschafft. Es gibt deutsche Anbieter, die günstige Tarife für die Nutzung von Internet und Telefonie anbieten. Alternativ kann man sich eine türkische SIM-Karte anlegen (preiswerter in der Nutzung als die deutsche SIM-Karte), was jedoch voraussetzt, dass das eigene Smartphone in der Türkei nicht gesperrt ist bzw. man ist im Besitz eines türkischen Handys. Gesetzlich ist es geregelt, dass die Handynutzung mit der türkischen SIM-Karte im Zeitraum von drei Wochen bis drei Monaten von der Polizei gesperrt wird. Durch einen Behördengang beim türkischen Finanzamt kann das Telefon gegen eine Gebühr i. H. v. ca. 150 TL entsperrt werden.

 

Zum Praktikum

Ich kann ohne zu zögern sagen, dass dieses Praktikum mich persönlich sehr bereichert hat. Die Anfangszeit meines Praktikums war die sog. „Kennenlernphase“. Man lernt die Universität, so wie die Kolleginnen und Kollegen kennen. Zusammenfassend würde ich gerne folgende Anmerkungen zu meiner Praktikumsstelle machen: Von Beginn an war der Emailkontakt rege und mir wurde stets auf Fragen per Email geantwortet. Wie bereits in den Zeilen zuvor geschrieben, wurde mir eine Unterkunft seitens der Universität angeboten und meine Mittagsmahlzeiten wurden stets von KollegInnen bezahlt. Während des Praktikums spürt man die türkische Mentalität. Die familiäre Atmosphäre zwischen den Mitarbeitern motivierte in aller Hinsicht. Ich war die sämtliche Praktikumszeit im Erasmusbereich tätig gewesen und habe intensive Einblicke in die internationale Arbeit erhalten. Während meines Aufenthaltes wurde eine internationale Staff-Week organisiert. Für dieses Projekt habe ich mitgewirkt und eine Präsentation vorbereitet. Die Kulturwoche mit Gästen aus verschiedenen Ländern, aus Bosnien Herzegovina, Deutschland, Spanien, Tschechien, Polen, so wie aus Griechenland war sehr spannend und aufregend für mich gewesen. Ich habe mein Netzwerk erweitern können und sehr liebhafte, engagierte Menschen kennengelernt. Meine Vorschlä-ge für dieses Projekt und auch Nebenaufgaben wurden stets dankbar angenommen. Dass mein selbstständiges Arbeiten respektiert und gelobt wurde, motivierte mich sehr. Was ich letztlich ge-lernt habe, bezieht sich vorwiegend auf den Umgang miteinander: Ich wurde daran erinnert, dass man auf die Leute zugehen muss, wen man etwas möchte und warten nirgendwohin führt. Ich konnte ohne Hemmungen zu haben, auf jeden meiner KollegInnen zugehen und um Hilfe bitten bzw. Fragen waren immer sehr gerne gesehen. Zur Anfahrt und Heimfahrt möchte ich gerne mein Lob aussprechen. Auf dem Campus ist ein Gelände mit einer „Busstation“ mit sog. Personalbussen, die die Angestellten in die Nähe Ihres Wohnortes ablassen. Dieser Service wird auch kostenfrei zur Verfügung gestellt, den ich ebenfalls nutzen durfte. Dass man neben der Ersparnis für Fahrtickets auch etwas für die Umwelt tut, können unsere deutschen Unternehmen sich als Vorbild nehmen.

 

 

Istanbul …

bietet zahlreiche Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Neben den Sehenswürdigkeiten, die man unbedingt besichtigen sollte, ist eine der beliebtesten Freizeitgestaltungen das Schlendern durch die Straßen und Cay (schwarzer Tee) trinken. Man ist eher auf Gemütlichkeit aus und versucht sich vom Trubel der Stadt nicht mit ziehen zu lassen. Egal was ansteht, man sollte immer genug Zeit ein-planen! Highlights sind: Eminönü (the Golden Horn), die Galatabrücke, die Hagia Sophia, die Blaue Moschee, die Süleyman Moschee - besonders wegen der Aussicht auf den Bosporus -, der große Basar, Taksim Platz, die Prinzen Inseln, etc. etc. Kulinarisch hat Istanbul ebenfalls einiges zu bieten. Für jeden Geschmack ist etwas dabei! Balik Ekmek (Fischbrot), Pide, Simit (Sesamringe), Islak Bur-ger (feuchte Hamburger), uvm. Unbedingt durchprobieren! Die Abendgestaltung muss ebenfalls gar nicht groß geplant werden. Mein täglicher Spaziergang mit Blick auf den Bosporus des geteilten Istanbuls war auf Platz eins meines abwechslungsreichen Programms. Einfach mal spontan sein! Da ich selber weder auf dem Campus gewohnt habe, noch im Studentenviertel, weiß ich, wie schwer es ist Kontakte zu knüpfen. Istanbul kann daher auch sehr einsam sein. Die Gesellschaft betreffend war ich überrascht, wie hilfsbereit und freundlich die Leute im Alltag zueinander sind. Wie sehr man bereit ist, einem Fremden zu helfen, wenn er Hilfe braucht. Und das, obwohl die Leute oft am Exis-tenzminimum leben und die Größe der Stadt einen Stressfaktor darstellt.

 

Zusammengefasst …

ist Istanbul eine Weltstadt voller Gegensätze, die man unbedingt kennengelernt haben sollte. Konservativ trifft auf Modern, Kopftuch auf Minirock, das Teehaus auf Starbucks, usw. Es war nicht die Gesamtheit der Stadt, die mich faszinierte, sondern die vielen kleinen Dinge, welche diese Stadt erst ausmachen. Dazu gehört: das selbstverständliche Überqueren des Bosporus mit der Fähre, das Antreffen von Hunden, die neben einem auf das grüne Männchen an der Ampel warten, das totale Verkehrschaos, welches in sich eine vollkommene Ordnung hat, der Ausblick beim Cay trinken – ich kann es nicht oft genug sagen - in Üsküdar auf den europäischen Kontinent, die stundenlange Fahrt entlang der Küste und immer noch in Istanbul zu sein …

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